Vom Danken

Liebe Gemeinde,

nächste Woche feiern wir Erntedank.

Schon früh bringen Eltern ihren Kindern bei, sich zu bedanken. Und auch die Bibel fordert uns dazu auf, Gott zu danken. Warum aber danken wir eigentlich? Was meinen wir damit, wenn wir jemandem unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen? Worin liegt der Sinn, jemandem zu danken?

Eine Erzählung des Neuen Testaments veranschaulicht, was mit dem Danken auf sich hat. Es ist die Evangeliumslesung für den 14. Sonntag nach Trinitatis (13.09.2020), die uns so auf schöne Weise auf das Erntedankfest vorbereitet; die Geschichte ist in den gängigen Bibelübersetzungen entweder mit „Die zehn Aussätzigen“ oder aber (treffender) mit „Der dankbare Samariter“ überschrieben:

11 Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch das Gebiet zwischen Samarien und Galiläa zog. 12 Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne 13 und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! 14 Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. 15 Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme 16 und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. 17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? 18 Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? 19 Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.“ (Lukas 17,11-19)

Zehn Menschen werden von Jesus geheilt, aber nur einer kehrt um und bedankt sich bei Jesus. Der Dank macht aus einer ursprünglichen einseitigen Beziehung eine gegenseitige Beziehung.

Am Anfang steht die gute Tat des einen für den anderen. Mit dem Dank aber wird aus dieser Einseitigkeit ein gegenseitiges Verhältnis. Wenn wir uns bei jemandem bedanken, dann sagen wir demjenigen also damit: „Ich will an Dir festhalten.“ Was für ein schöner Sinn des Dankes!

Am Erntedankfest wollen Gott danken, ihm also sagen, dass wir an ihm festhalten wollen und so seine Beziehung, die er zu uns stets sucht und aufrechterhält, beantworten.

Herzlich grüße ich Sie,
Ihr Gregor Wiebe