„Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will“

Wie schon vielen Familien in Seelscheid vor einigen Wochen, erging es nun auch uns.
Wir wollten am Sonntag, den 26.4.2020 mit unserer Enkelin in Bonn Konfirmation feiern. Alles war geplant, Einladungen längst verschickt, das dunkelblaue Kleid – ich hatte es mit ihr kaufen dürfen – hing seit Monaten im Schrank, das Mittagessen rechtzeitig bestellt.

Doch dann kam Corona, und damit wurdealles anders.
Wir erlebten statt einer großen Familienfeier kreative, teils innige, liebevolle Beschäftigung mit Ungewohntem. Nicht mehr die Vorfreude auf Besuch und viele Geschenke, sondern der Verzicht auf so vieles, längst selbstverständlich Gewordenes bestimmt den Alltag der Jugendlichen und Kinder.
Die jüngere Enkelin hat uns bereits vor Wochen Gesichtsmasken genäht; mit dem dringenden Appell: „Nun tragt die aber auch, wir wollen nicht, dass euch was passiert!“ 
Viele Tränen wurden geweint, Ängste ausgesprochen, mancher Frust rausgelassen, doch an beiden Mädchen erkennen wir, dass die Krise sie reifer macht. Besonnen und umsichtig sehen sie auch die Nöte der anderen, erkennen wie wichtig eine intakte Familie ist und sogar dass

„Geben seliger ist als Nehmen“, Apg. 20,35

Die Konfirmationen fallen ja nicht aus, sie werden nur verschoben! Ich wünsche allen Konfirmand/innen, dass sie nicht in Enttäuschung erstarren, sondern die Wartezeit nutzen können und vielleicht sogar durch die Coronakrise verändert, gestärkt mit einer noch größeren  Vorfreude dem Fest ihrer Konfirmation entgegensehen.

Von Dietrich Bonhoeffer stammen folgende Worte:
Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
Die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft
geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie uns nicht im voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. 

Liebe Grüße an alle, die sich noch in Geduld üben müssen

Rosemarie Ratz, Prädikantin