Am Anfang eines neuen Jahres ist eine Rückschau auf das Vergangene genauso wie der Blick in die Zukunft etwas sehr Wichtiges. Oft wird in der Reflexion dann deutlich, wofür wir dankbar sind und worüber wir uns freuen. Aber auch Sorgen und Ängste können unsere Gefühle dann bestimmen und wir werden still.
Gerade in solchen Momenten entfaltet Musik eine besondere Kraft. Sie erreicht uns dort, wo Sprache an ihre Grenzen stößt. Musik kann trösten, ermutigen und Hoffnung wecken – manchmal ganz leise, manchmal kraftvoll. Vielleicht ist das ein Grund, warum Musik in der Kirche von Anfang an einen so hohen Stellenwert hat.
Musik gehört untrennbar zum Gottesdienst. Sie eröffnet den Raum für Gottes Gegenwart, sie sammelt die Gemeinde und gibt dem Glauben Ausdruck. Wenn die Orgel erklingt oder ein Chor singt, verändert sich die Atmosphäre. Ein Bibelwort gewinnt an Tiefe, ein Gebet an Weite. Musik hilft uns, innerlich anzukommen und uns auf Gott auszurichten.
In diesem Jahr dürfen wir die Bedeutung der Kirchenmusik ganz besonders würdigen: Der Evangelische Kirchenchor Seelscheid feiert sein 140-jähriges Jubiläum. Seit 140 Jahren erklingt durch ihn Gottes Lob in unserer Gemeinde. Generationen von Sängerinnen und Sängern haben ihre Stimmen eingebracht – treu, engagiert und mit großer Hingabe.
Der Kirchenchor hat in all diesen Jahren Gottesdienste musikalisch bereichert, Feste mitgestaltet und in Zeiten der Trauer Trost geschenkt. Er hat die Gemeinde durch sein Singen begleitet – in Freude und Dank, in Klage und Hoffnung. Damit ist der Chor zu einem festen und unverzichtbaren Bestandteil unseres Gemeindelebens geworden.
Besonders berührend ist das gemeinsame Singen – im Chor wie in der Gemeinde. Viele unterschiedliche Stimmen kommen zusammen: Jung und Alt, erfahren und neu. Jede Stimme zählt, jede trägt zum Ganzen bei. So wird der Chor auch zu einem Bild für Kirche: vielfältig und doch miteinander verbunden.
Viele der Lieder, die der Kirchenchor im Laufe der Jahre gesungen hat, begleiten auch uns ein Leben lang. Sie sind verbunden mit Erinnerungen an besondere Gottesdienste, an Taufen und Trauungen, an Abschiede und Neuanfänge. Gerade in schweren Zeiten können vertraute Choräle Halt geben, wenn eigene Worte fehlen. Musik wird dann zu einem Gebet, das trägt.
Musik in der Kirche ist deshalb weit mehr als eine schöne Tradition. Sie ist Teil der Verkündigung, Ausdruck der Gemeinschaft und Quelle der Hoffnung. Das 140-jährige Bestehen unseres Kirchenchores Seelscheid ist ein Anlass zu Dankbarkeit – gegenüber allen, die diesen Dienst über so viele Jahre getragen haben, und gegenüber Gott, der Menschen immer wieder zur Musik und zum gemeinsamen Singen ruft.
Ein besonderer Dank gilt allen Chorleiterinnen und Chorleitern, die den Chor mit ihrer Dirigentschaft begleitet haben und begleiten.
Ich wünsche dem Evangelischen Kirchenchor Seelscheid Gottes reichen Segen für die Zukunft: Freude am gemeinsamen Singen und viele weitere Jahre, in denen Gottes Liebe hörbar wird.
Und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich, dass die Musik in unseren Gottesdiensten Sie immer wieder berührt und begleitet – als Trost in schweren Zeiten, als Ausdruck der Freude und als Klang der Gemeinschaft, die uns verbindet.
Ihr Diakon Markus Schlimm
